5. – 13. Schuljahr

Helmuth Feilke

Politische Kommunikation und Sprache

Politische Kommunikation geht alle an mit Licht- und Schattenseiten: Es wird getwittert und gepostet, stigmatisiert und diskriminiert. Ein wichtiges Ziel des Deutschunterrichts ist es deshalb, politischen Sprachgebrauch für Schülerinnen und Schüler transparent zu machen und zu vermitteln, wie Politik durch Sprache hergestellt wird.

Politische Kommunikation und Deutschunterricht
Das Erscheinungsdatum dieses Heftes erinnert an eine in der Nachkriegszeit einmalige internationale Mobilisierung politischer Öffentlichkeiten vor 50 Jahren: Vietnamproteste und Woodstock, sexuelle Befreiung und neue Kommunikations- und Lebensformen, Studentenbewegung, außerparlamentarische Opposition und Prager Frühling. Der Mai 1968 steht heute für einen tiefgreifenden kulturellen Wandel (Scharloth 2011) ebenso wie für eine Krise der politisch institutionalisierten Kommunikation. Sie hat in in der ehemaligen Bundesrepublik vom vielzitierten „Marsch durch die Institutionen über den Terror der Rote Armee Fraktion bis hin zum Entstehen neuer Parteien geführt. 1968 ist nicht das Thema dieses Heftes, aber so wie vor 50 Jahren ist auch die politische Kommunikation der Gegenwart von krisenhaften Tendenzen bestimmt, die Zeichen veränderter Bedingungen für die Wahrnehmung und Thematisierung von Politik sind.
  • Gesellschaft wird durch die Medien zur Weltgesellschaft (Luhmann 1997), in der die zur „Mediengesellschaft zählenden Menschen sich weltweit zu Ereignissen und politischem Geschehen verhalten können.
  • Die globalisierte Welt rückt auch politisch zusammen. Eine Rhetorik des Sachzwangs in der Politikwissenschaft TINA (there is no alternative) genannt (Séville 2017) ist allgegenwärtig. Sie wird oft als Entwicklung von einem programmatischen zu einem pragmatischen Politikverständnis charakterisiert. Faktisch schränkt die Entwicklung demokratische Spielräume ein, exemplarisch sichtbar am Beispiel der Finanzkrise 2008 und ihren Folgen.
  • Dem wiederum entspricht komplementär ein Aufkommen neuer Protestkulturen mit politisch ambivalenten Orientierungen vor allem im Internet. Auch Tendenzen zur Aufsplitterung der politischen Öffentlichkeit in sogenannte Echokammern und Filterblasen, die nach innen Bestätigung und nach außen bevorzugt Kampfsignale senden, gehen damit einher.
Was hat das mit dem Deutschunterricht zu tun? Vordergründig geht es zunächst „nur um Politik, das heißt um Steuern und soziale Gerechtigkeit, um Bildungsfragen, um Recht und Ordnung, um internationale Vereinbarungen und Verträge und um Krieg und Frieden. Aber Politik wird sprachlich und kommunikativ gemacht: Komplexe Probleme werden auf entscheidbare Pro- und Kontra-Fragen reduziert, Meinungen werden polarisiert und popularisiert, und die Welt wird in Freund und Feind geteilt. Im Diskurs der Öffentlichkeit zur Politik in Regierung, Parlament und Rechtsprechung geht es um den oft sogenannten „Kampf um die Köpfe. Schülerinnen und Schüler sind ein Teil dieser Öffentlichkeit. Sie sollten verstehen können, wie sie funktioniert und wie Politisches hergestellt wird. Die Grundlage dafür sind Motivationen, Wissen und analytische Kompetenzen:
  • Abwehrhaltungen gegen „die Politiker und das vorgeblich „schmutzige Geschäft der Politik sind ein Problem der Motivation. Schüler müssen erfahren können, wie und wo in ihrer alltäglichen Lebenspraxis politische Fragen auftreten (Ohlmeier 2006). Dies beginnt mit der Gesprächs- und Streitkultur, den Formen einer demokratischen Entscheidungsfindung und der Diskussion von Fragen, deren Bedeutung für die eigene Lebenspraxis unmittelbar nachvollziehbar ist (vgl. dazu das Unterrichtsmodell von Jürgen Baurmann). Wo und wie reagiert die Politik z.B. auf Probleme vor Ort, auf den Wandel von Familienstrukturen, Flucht und Migration oder den Klimawandel?
  • Für solche Fragen braucht man Sachinformationen zu politischen Kontroversen und Interessenlagen. Auch hier liegt eine...

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