10. – 13. Schuljahr

Sören Torrau

Politik im Spiegel medialer Inszenierungen

Schüler analysieren politische Sprache in politischen Talkshows

Politikerinnen und Politiker haben sich auf die Verhältnisse in der Mediendemokratie eingestellt und achten sehr genau darauf, was sie sagen. Sie arbeiten mit Schlagwörtern und positionieren ihre Botschaften. Das Modell vermittelt, wie politiksprachliches Handeln kritieriengeleitet analysiert werden kann und wie sich Politik und Medien wechselseitig beeinflussen.

Politische Talkshows tragen zur Meinungsbildung bei, indem für die Zuschauer Konfliktlinien und verschiedene Standpunkte argumentativ sichtbar werden. „Die politische Sprache ist ein Kampf mit Wörtern um Wörter (Bazil 2010, S. 3). Sie passt sich auch den medialen Formaten, wie politischen Talkshows, an. Dabei werden z.B. Schlagwörter strategisch verwendet und kommunikationsethische Maximen teilweise ignoriert, um politische Botschaften öffentlichkeitswirksam zu platzieren. Themen werden auch durch Unterhaltungselemente „publikumsgerecht aufbereitet (Donsbach/Jainsch 2011, S. 193).
Politik- und Medienlogik vermischen sich: Sprachliche Verzerrungen und Verkürzungen stehen der Veranschaulichung politischer Sachverhalte gegenüber. Es geht oft weniger um das Suchen nach einer gemeinsamen Lösung, als um bereits durch die Gästeauswahl veranlasste polarisierende Diskurse, die für Zuschauer Spannung versprechen. Politiker können sich in Szene setzen und direkt zu ihren Wählern sprechen. Es dominiert der persuasiv-strategische Einsatz von Sprache, der für Kommunikation in Demokratien unerlässlich ist, um für politische Ideen Zustimmung zu erhalten. Allerdings kann dadurch auch ein Fehlverstehen von „Politik als Show begünstigt werden (vgl. Donges/Jarren 2017; vgl. Klein 2010).
Eine wichtige Rolle spielen emotionale Faktoren: Talkshows fokussieren das nonverbale Auftreten von Politikern, sie personalisieren. „Entertainmentqualitäten und spektakuläre Diskussionsverläufe sind attraktiv. Politische Akteure können diese Bühne für die sprachliche Inszenierung und Vermittlung ihrer Standpunkte und ihrer Person verwenden (vgl. Schicha 2011, S. 234f.).
Politische Talkshows sind mehrfach adressiert. Neben den Mitdiskutanten und dem Moderator sind in erster Linie die Zuschauer die Adressaten, die überzeugt werden sollen. Moderatoren sollen dafür sorgen, dass sowohl ein dramaturgischer Spannungsbogen als auch ein ausgewogenes Maß zwischen Konfrontation und Kooperation über die Sendelaufzeit erhalten bleibt. Zudem folgen die Frageformulierungen der „Einfachheit, Eindeutigkeit und Neutralität (Schicha 2011, S. 237).
Inszenierung ist in diesem Zusammenhang nicht negativ besetzt und führt nicht strukturell zu Entpolitisierungen (vgl. Besand 2004). Vielmehr ist die „Darstellungspolitik (Sarcinelli/Tenscher 2008, S. 8) Bestandteil medialer Politikdarstellung mit einer eigenen politischen Funktionslogik. Die Oberfläche ist performativ-ästhetischer Teil demokratischer Kommunikationsprozesse und sollte im Unterricht thematisiert werden.
Intentionen
Eine Auseinandersetzung mit politischen Talkshows bietet die Möglichkeit, politiksprachliches Handeln zu analysieren, die sprachlich-mediale Konstruktion von politischen Wirklichkeiten nachzuvollziehen und Erscheinungsformen politischer Kommunikationskultur zu erschließen. Schülerinnen und Schüler lernen, kriteriengeleitet Beziehungen zwischen politiksprachlichem Handeln und ästhetisch-medialen Darstellungsformaten zu untersuchen und kritisch zu hinterfragen. Zudem können allgemein Zusammenhänge von Sprechen und Handeln pragmatisch entdeckt werden.
Unterricht
1. Sprache bezeichnet Realitäten
Bilder bieten sich als Einstiegsimpuls an: So kann derselbe auf einem Bild dargestellte Sachverhalt unterschiedlich bezeichnet werden (Material 1 ): Flucht, Migration, Vertreibung, Flüchtlingswelle, Asylantenflut, Flüchtlingsstrom, Fluchtbewegung usw.
Bezeichnungen und deren Konnotationen...

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