1. – 13. Schuljahr

Magazin

Fake News und Populismus
Die neue Reihe Carlsen Klartext intendiert, Wissen zu vermitteln, welches Aktuelles aus Gesellschaft und Politik verstehen hilft. Die ersten beiden Bände, um die es hier geht, sind nicht nur Lehrkräften für gesellschafts- und politikwissenschaftliche Fächer an weiterführenden Schulen zu empfehlen, sondern auch solchen, die Deutsch unterrichten. Die Nähe ist im Falle des Bandes Fake News evident, da es um ein strittiges Phänomen des Journalismus und allgemein um ein bestimmtes Verhältnis von Sprache und Politik geht. Die politische Strategie Populismus wiederum ist aufs engste mit Fake News verknüpft, weil sie sich selbst gern solcher Falschmeldungen bedient, welche sie den klassischen Medien vorwirft. Beide Themen dürften in meinungsfreudigen Klassen ab der ca. 9. Jahrgangsstufe für erhitzte und emotionale Äußerungen sorgen, denen fundierte Sachlichkeit und belegbare Informationen, systematisches Wissen über Strukturen und Sachverhalte sowie präzise Kenntnis jüngst vergangener und länger zurückliegender Ereignisse gegenübergestellt werden sollten. Welche Lehrkraft sich mit der Bereitstellung des nötigen Wissens, mit guten Argumenten und plastischen Beispielen überfordert fühlt, wird fündig, obwohl sie selbst gar nicht die Adressatin ist. Denn hier werden die Lesenden geduzt eine redaktionelle Entscheidung, für und gegen die einiges spricht.
Die Autorschaft haben in beiden Fällen selbst verhältnismäßig junge Personen (Jg. 1986 und 1983), welche beide u.a. Philosophie studiert und die renommierte Henri-Nannen-Journalistenschule durchlaufen haben. Alle drei Eigenschaften sind für die Bearbeitung dieser brisanten Themen von Vorteil, denn Journalismus und Politik im Zeitalter von social bots und filter bubbles zu verstehen, ist Jüngeren vertrauter als Älteren, andererseits verbürgt das Studium gedankliche Genauigkeit und analytische Schärfe und ihre Berufsausbildung erklärt die Gabe, verständlich und anschaulich zu schreiben.
Differenzierung statt Medienschelte
„Die Bandbreite von Journalisten reicht von rundweg verbrecherisch bis wirklich heroisch, meinte der Historiker Timothy Garton Ash (zitiert nach Kuhla, Fake News, S. 94). Differenzierung ist also angesagt, nicht jedoch pauschale Medienschelte oder eine beschönigende Verharmlosung der Fehler, die gemacht wurden. So stellt Kuhla zunächst ausführlich und kritisch (auch selbstkritisch) die Gründe für die Glaubwürdigkeitskrise der Medien dar. Es folgt sodann ein Grundkurs Medien, in dem Funktion und Arbeitsweise der Vierten Gewalt, der Pressecodex und Kriterien für guten Journalismus dargestellt werden. Höchst aufschlussreich ist im Kapitel über Aufklärung versus Fake News die Unterscheidung zwischen Lüge (als einer noch wenn auch komplementär auf Wahrheit bezogenen Äußerung) und Bullshit, dem bedenken- und besinnungslosen Gequassel, welches die Wahrheit gar nicht beachtet. Ein Kapitel über den Kampf gegen Fake News leitet über zu Appellen an jugendliche Lesende, sich verantwortlich zu verhalten. Diese letzten Teile sind etwas arg belehrend ausgefallen.
Gute Grundlagenvermittlung
Auch Ludwig positioniert sich in seinem Band zwar deutlich auf Seiten der Demokratie, aber er argumentiert nicht mit Schaum vor dem Mund. Er zitiert den niederländischen Politikwissenschaftler Cas Mudde: „Populisten stellen oft die richtigen Fragen, geben aber die falschen Antworten. (S. 132)Immer wieder geht er auf den zur Zeit mächtigsten Populisten der Welt, Donald Trump, ein. Seine Interpretation von dessen Inaugurationsansprache ist ein Kabinettstück der Redeanalyse und stellt allein schon in diesem Kapitel die Nähe zum Deutschunterricht unter Beweis. Seine kurzen, mit knappen, knackigen Überschriften versehenen Kapitel enthalten zahlreiche weitere anschauliche und penibel nachgewiesene Beispiele.
Die beiden Bände werden abgerundet durch ermutigend wohldosierte weiterführende Lesetipps teils Bücher und Aufsätze,...

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