10. – 13. Schuljahr

Kristina Koebe

Fake oder Fakt?

Wie man Fake News erkennen kann

Öffentliche Diskussionen und politische Auseinandersetzungen werden zunehmend von Emotionen geleitet. Neben die eigentlichen Fakten treten gefühlte Wahrheiten. In diesem Unterrichtsmodell werden Lernende für das Phänomen sensibilisiert. Sie erlernen Methoden, wie man „Fake News erkennt und begreifen die daraus resultierende eigene Verantwortung.

Über das Web verbreitete Falschmeldungen, seit dem US-Wahlkampf von 2016 und der Propagierung der Post Truth Era gern „Fake News genannt, haben viele Gesichter. Da sind zum einen Texte, die explizit verfasst wurden, um bestimmte Botschaften zu platzieren, also durch falsche oder selektive Darstellung eine Position zu stärken. Andere Fake News, inzwischen die Mehrheit, verfolgen nur ein Ziel: Die Leserschaft zu interessieren und damit auf bestimmte Seiten zu locken bzw. dort möglichst lange zu halten, weil dies Werbeeinnahmen generiert ein inzwischen weltweit gut etablierter Wirtschaftszweig. Das ist nicht so harmlos, wie es hier klingen mag: Auch diese Texte beeinflussen unser Denken und prägen unser Weltbild oder greifen unterstellte Überzeugungen auf und verhindern so, dass schon gefasste Urteile kritisch hinterfragt und an komplexen Zusammenhängen überprüft werden. Nicht immer sind es klassische Zeitungs- oder Zeitschriftenartikel, in deren Gewand Fake News daherkommen, sondern oft auch Twitter-Botschaften oder andere Social Media-Formate. Die Verantwortung für die Verbreitung dieser Informationen liegt in sehr hohem Maße auch bei der Social Community: Wer etwas „liked, spricht dem Autor sein Vertrauen aus, wer etwas teilt, adressiert neue Leser/-innen.
Die Versuche, Jugendlichen ein „Rüstzeug zur Unterscheidung zwischen Fake News und Fakten an die Hand zu geben, sind recht vielfältig. Das Spektrum reicht hier von dem sogenannten Fake News Check, dessen Versuch einer automatisierten Enttarnung ihm reichlich Nutzerspott eintrug, bis hin zu Webseiten, die eine angeleitete Prüfung von Informationen aus dem Web ermöglichen. Beispiele hierfür wären der Faktenfinder der Tagesschau (http://faktenfinder.tagesschau.de/fakenews-erkennen-tutorial-101.html) oder die Seite des Vereins zur Aufklärung von Internetmissbrauch (http://www.mimikama.at/) und die dazugehörende Suchfunktion.
Problematisch sind derlei Hilfsmittel, wenn durch sie eine Trennschärfe suggeriert wird, die es in der Realität nicht gibt: Auch journalistische Artikel sind oft tendenziös, arbeiten mit gezielter Selektion von Informationen oder greifen auf Quellen zurück, die sich im Nachgang als unseriös erweisen. Und auch staatliche Organe veröffentlichen Texte, die vor allem auf Erzeugung von Emotionen statt auf abwägende Informationsvermittlung abzielen und mit Meldungen arbeiten, die im Sinne einer Zielstellung ausgewählt oder gar erfunden sind. Das Wort postfaktisch „[] spricht einen gesellschaftlichen Zustand an, in dem Fakten an Bedeutung verlieren. Öffentliche Diskussionen und politische Auseinandersetzungen werden zunehmend von Emotionen geleitet. Das liegt daran, dass einige Bevölkerungsgruppen den medial präsentierten Fakten keinen Glauben mehr schenken. Sie sind davon überzeugt, dass diese nicht mit der aktuellen, gesellschaftlichen, politischen und wirtschaftlichen Situation übereinstimmen. In diesem Zusammenhang fällt häufig auch der Begriff Lügenpresse. (Nibis, S. 10)
Intentionen
Ein Unterricht zum Thema Fake News, der sich nicht durch starke Komplexitätsreduktion als weltfremd demontieren will, kommt nicht ohne kontextualisierende Beschäftigung mit Medien und Meinungsbildung aus. Er trifft auf Lernende, deren Meinungen vorgeprägt sind etwa durch Gespräche über die Streitbarkeit von Presseberichterstattung oder durch Misstrauen gegenüber den Institutionen, die der Welt des „Fake gern als Hort der Integrität und moralischen Festigkeit gegenübergestellt werden. Viele hieraus erwachsende Fragestellungen...

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