8. – 13. Schuljahr

Florian Séville

Begriffe besetzen

Politische Rhetorik und Kommunikation

In diesem Modell erfahren Lernende, wie sich sprachliche Bilder auf die Verarbeitung von Fakten auswirken und bestimmte kognitive Deutungsrahmen (Frames) erzeugen. Sie erkennen Muster in der politischen Kommunikation und begreifen die Gefahr der Beeinflussung und Manipulation.

Sprache formt in einer spezifischen Weise unsere Wahrnehmung, sie beeinflusst direkt unser Verhalten und sie wirkt sich somit auch auf unsere politische Meinungsbildung aus. Man könnte behaupten, Sprache sei Politik, denn Politikerinnen und Politiker adressieren ihre Wählerinnen und Wähler in allererster Linie über Sprache. Wichtig ist dabei die Erzeugung von Aufmerksamkeit. Bei diesem Prozess spielen sogenannte Frames eine essentielle Rolle, weil Informationen stets innerhalb dieser kognitiven Deutungsrahmen verarbeitet und in der jeweiligen Wissens- und Erfahrungswelt eingeordnet werden. Frames werden genutzt, um (partei-)politische Grundsätze und Forderungen innerhalb des jeweiligen Wertesystems zu verorten. Denn eine politische Rhetorik strebt eine Übereinstimmung des Publikums mit den zu vermittelnden politischen Inhalten und Grundüberzeugungen an, sie ist gleichsam „die Kunst im Medium der Öffentlichkeit Zustimmungsbereitschaft zu erzeugen (Lübbe, S. 107).
Bedeutsam ist weiterhin das sogenannte agenda-setting. Es geht Politikern auch darum, Themen in der Debatte zu platzieren und den öffentlichen Diskurs thematisch zu bestimmen. Hierbei ist die Wahl der Begrifflichkeit von entscheidender Bedeutung und keinesfalls alternativlos. Zum Beispiel wird in der politischen Debatte das Bild von „alkoholabhängigen, faulen und ungewaschenen Menschen, die es sich scheinbar in der sozialen Hängematte bequem machen, gezeichnet, um ihnen vor diesem Hintergrund das Recht auf soziale Leistungen abzusprechen und gegen eine Erhöhung von Sozialleistungen Stimmung zu machen. In der Folge werden die semantisch aufgeladenen Begriffe in der öffentlichen Auseinandersetzung aufgegriffen. Dies geschieht zum einen, um darüber zu berichten, aber vom politischen Gegner auch, um zu widersprechen. Allerdings beschränkt letzterer sich häufig auf das Dagegen-Sein und das Sich-Verteidigen und versäumt es, das eigene Weltbild positiv zu vertreten. Indem man dem Weltbild des Gegners widerspricht, aktiviert man es jedoch gleichsam kognitiv in den Köpfen der Hörer. Das veranschaulicht das folgende Beispiel: Erhält jemand die Anweisung, nicht an einen rosafarbenen Elefanten zu denken, entsteht vor seinem geistigen Auge sofort das Bild eines eben solchen. Deshalb ist es in der Debatte sinnvoll, sich von den Frames des Gegners zu lösen und bei den Hörern einen Frame zu aktivieren, der von der eigenen Weltsicht erzählt.
Intentionen
Die Schülerinnen und Schüler lernen den konstruktivistischen Charakter von Sprache kennen und verstehen, dass diese kein direktes Abbild der Wirklichkeit ist. Sie lernen Muster, in der politischen Kommunikation wahrzunehmen und zu verstehen, wie politische Themen generiert und sprachlich vermittelt werden. Sie begreifen die Gefahr einer Beeinflussung und Manipulation durch Sprachbilder und erlangen somit ein Bewusstsein dafür, wie wichtig es ist, über ein ausreichendes Maß an Hintergrundwissen zu verfügen, um die Verlässlichkeit einer Information angemessen beurteilen zu können.
Unterricht
Schlechte Hausaufgabenmoral in Berlin
Die Unterrichtseinheit startet in Anlehnung an eine Studie der Stanford-Universität aus dem Jahr 2011 mit zwei (fiktiven) Zeitungsartikeln über die sich verschlechternde Hausaufgabenmoral an Berliner Schulen. Die Klasse wird in zwei Gruppen unterteilt. Die Gruppen erhalten Material 1 mit unterschiedlichen Versionen einer Zeitungsmeldung. Die beiden Zeitungsmeldungen berichten zwar über dieselbe Faktenlage, bewegen sich aber in unterschiedlichen Frames. So wird im ersten Artikel berichtet, das Hausaufgabenraubtier...

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