5. – 13. Schuljahr

Helmuth Feilke | Sara Rezat

Operatoren „to go

Prozedurenorientierter Schreibunterricht

Operatoren wie Darstellen, Erklären und Interpretieren sind für Schülerinnen und Schüler sehr abstrakt. Auch der bunte Strauß an Operatorenausdrücken in den unterschiedlichen Listen verwirrt mehr, als dass er hilft. Dennoch ist das richtige Verstehen des jeweiligen Operators entscheidend für das Lösen einer Aufgabe. Wie kann Lernenden die „Operation hinter den Operatoren vermittelt werden? Welche Handlungen müssen sie dafür bewältigen? Der Basisartikel führt die unterschiedlichen Operatorenlisten zusammen und reduziert sie auf die entscheidenden Textprozeduren, die im Deutschunterricht wirklich benötigt werden.

"Operator: Der Ausdruck klingt deutlich mehr nach Geheimwissen und Science Fiction als nach Deutschunterricht. In den Worterklärungen zu einem bekannten Internet-Computerspiel heißt es zum Operator: „He is the only survivor of The Legendary Universal War and the destruction of his own planet. Sind die Operatoren das, was übrig bleibt, wenn dereinst auch der Deutschunterricht ausgelöscht ist, so wie nach dem Aufräumen des Arbeitszimmers und der Beseitigung aller überflüssigen Inhalte nur noch die Klarsichthüllen und Büroklammern bleiben?
Das absurde Szenario ist kein Nonsense-Intro: Operatoren haben – jedenfalls auf den ersten Blick – mit den Inhalten und Stoffen des Deutschunterrichts nur am Rande zu tun; sie bezeichnen das auf Texte bezogene, das metatextuelle Handeln im Unterricht, das heißt, die Art und Weise, wie mit Texten und deren Inhalten umgegangen wird: beschreiben, interpretieren, analysieren, erörtern, darstellen, zusammenfassen, vergleichen usw. Operatoren sagen nichts zur Novelle, zur Romantik oder zum bürgerlichen Trauerspiel, nichts zu bestimmten Autoren, zur Grammatik oder dem Sprachwandel.
Aber der Inhalt von Texten wird genau durch diese Handlungen erschlossen, dargestellt und repräsentiert. Die Operatorverben bezeichnen damit, was Schüler sprachlich und textlich können und vor allem tun können müssen, wenn sie Inhalte ihres Fachs erarbeiten: Inhalte aus Texten wiedergeben, Zusammenhänge analytisch darstellen und erklären, sie mit anderen Texten vergleichen, mit weiterem Wissen zur Interpretation verbinden und kritisch beurteilen.
Der Basisartikel macht Vorschläge zum Verständnis und zur Ordnung dieses Feldes; in den Modellen geht es vor allem darum, Ideen und Materialien für einen Unterricht vorzustellen, der die entsprechenden Fähigkeiten vermitteln und schulen kann. Das Anliegen des Heftes kann in einigen Kernthesen formuliert werden.
  • Operatoren bezeichnen komplexe sprachliche Handlungen: darstellen, vergleichen, erörtern. Dabei spielen auch kognitive Operationen und Leistungen eine wichtige Rolle (Bloom 1956, Anderson/Krathwohl 2001). Aber im Prozess wie im Ergebnis geht es um Sprachhandlungen und Textkompetenzen, die linguistisch wie sprachdidaktisch zu bestimmen sind.
  • Operatoren sind ein Thema der Lese- wie der Schreibdidaktik. Es ist sinnvoll, den Operatorenbegriff nicht auf jegliches sprachliche Handeln, sondern im Schwerpunkt auf metatextuelles Handeln zu beziehen. Im Kern geht es um Lesen und Schreiben. Das Ergebnis der Bearbeitung ist immer ein zu schreibender Text.
  • Operatoren werden schreibend realisiert, indem eine begrenzte Zahl lehr- und lernbarer Textprozeduren angewendet wird. „Jeder Operator enthält eine komplexe Anforderung, die sich nur bewältigen lässt, wenn die Aufgabenlöserin/der Aufgabenlöser entsprechende Prozeduren des Schreibens beherrscht und selbstständig ausführen kann. (SRDP 2016, S.2)
  • Operatoren gehören in den Unterricht: Statt die Operatorendiskussion auf den Kontext von Prüfungsaufgaben einzuengen, geht es darum, Lernaufgaben, besonders auch Schreibaufgaben, zu entwickeln, die das sprachliche Handlungswissen zu den Operatoren in den Blick nehmen. Deshalb „to go: Von der für viele rätselhaften Zielgröße in Prüfungen zum didaktischen...

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