8. – 10. Schuljahr

Nicola König

Anders als

Strategien und Prozeduren des Vergleichens

Welche Erfordernisse stellt der Operator Vergleichen an die Lese- und Schreibkompetenz der Schülerinnen und Schüler? Die Unterrichtsidee zeigt, wie Lernenden Strategien vermittelt werden können, Vergleichskategorien zu finden, Inhalte zu ordnen und das Vergleichen sprachlich umzusetzen.

Der Operator Vergleichen spielt in den Bildungsstandards für den Mittleren Schulabschluss ebenso wie für die Allgemeine Hochschulreife im Fach Deutsch im Umgang mit literarischen und pragmatischen Texten sowie mit Medien eine Rolle. Lernende müssen beispielsweise einen Gedichtvergleich vornehmen, den Textauszug eines literarischen Werkes unter Berücksichtigung eines Sekundärtextes interpretieren oder Materialien für die eigene Argumentation im Rahmen von Erörterungen oder materialgestützten Aufgaben auswerten. Zum Teil wird explizit dazu aufgefordert, einen Vergleich vorzunehmen, zum Teil wird dies implizit erwartet. In manchen Aufgaben werden die Vergleichskriterien vorgegeben, häufiger sind sie selber zu erstellen.
Durch das Vergleichen können Gemeinsamkeiten und Unterschiede von Gegenständen und Sachverhalten, aber auch von Texten bzw. Textteilen, herausgestellt werden. Wenn zum Vergleichen verschiedene Operatorenformulierungen vorliegen zuordnen, einordnen, gegenüberstellen, in Beziehung setzen (siehe Basisartikel) dann bilden diese auch die unterschiedlichen Sprachhandlungen ab, die im Rahmen eines Vergleichs vorgenommen werden müssen. So steht zunächst das Ordnen und Gegenüberstellen im Vordergrund; ein Wissen um die Intention des Vergleichs ermöglicht es dabei, sinnvolle Vergleichskategorien zu bilden. Besonders beim Verschriftlichen ist entscheidend, dass den Lernenden Prozeduren zur Verfügung stehen, die dabei unterstützen, Relationen zwischen den Vergleichsgegenständen herzustellen, Gleichheit und Ungleichheit abzubilden sowie unterschiedliche Merkmalsausprägungen darzustellen.
Intentionen
Das Unterrichtsmodell führt den Operator des Vergleichens im Sinne einer zunehmenden Komplexität zunächst an Gegenständen, anschließend an Sachtexten und zum Schluss an einem literarischen Text ein. Ziel ist es, dass die Lernenden am Vergleichsgegenstand der Sportschuhe ein Handwerkszeug kennenlernen und einüben, ohne dass die inhaltliche Dimension und vor allem die literarischen Gestaltungskriterien eine zu große Herausforderung darstellen. Erscheint der Vergleich zunächst weniger abstrakt als Operatoren wie beispielsweise Interpretieren oder Erörtern, so liegt dies vor allem an seiner Alltagsnähe und seiner kommunikativen Funktion. Beide Aspekte bilden eine wichtige Eigenschaft des Unterrichtsmodells. Deshalb wird von konkreten Gegenständen, die im Alltag der Lernenden vorkommen, ausgegangen. Zentrales Moment des Unterrichtsmodells ist, dass in den unterschiedlichen Phasen Textprozeduren des Vergleichens erworben und eingeübt werden.
Unterricht
Schritt 1: Einstieg ins Thema Sportschuhe
Die Lernenden beschäftigen sich mit dem Vergleich von zwei unterschiedlichen Sportschuhen. Diese werden entweder über einen Beamer gezeigt, von der Lehrkraft mitgebracht oder als kopierte Abbildung ausgeteilt. Den Vergleich führen die Schüler zunächst in Einzelarbeit durch; sie machen sich Notizen und ordnen diese. Anschließend stellen sie sich gegenseitig ihre Ergebnisse vor und ergänzen diese, bevor im Plenumsgespräch Vergleichskategorien wie Aussehen, Marke, Material, Preis, Einsatzgebiet erarbeitet werden.
Schritt 2: Vergleich zweier Testberichte
Im nächsten Schritt vergleichen die Schülerinnen und Schüler zwei Testberichte von Laufschuhen (Material 1 ). Die im kontinuierlichen Text präsentierten Informationen sollen dazu zunächst in Einzelarbeit in eine Tabelle überführt werden. Diese dient als Strukturierungshilfe des Vergleichs und enthält folgende Vergleichskategorien: Marke, Ausstattung, Grip (Haftung), Zielgruppe, Wintertauglichkeit und...

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