1. – 13. Schuljahr

Magazin

Rezensionen, Notizen und Termine

Fachbuch
Führer, Carolin (Hrsg.):
Die andere deutsche Erinnerung: Tendenzen literarischen und kulturellen Lernens ,
Göttingen: V&R unipress 2015
25 Jahre nach deren Ende „gewinnt das fiktionale Erinnern an die DDR im aktuellen Literaturbetrieb und den Medien [] zunehmend an Bedeutung. Diese von der Herausgeberin in ihrer Einleitung (S. 11) formulierte Beobachtung bildet wohl den Anlass für die Entstehung des vorliegenden Sammelbandes. Sein Thema lässt sich im Spannungsfeld von kulturwissenschaftlicher Erinnerungsforschung, Literaturdidaktik und Narratologie verorten. Einige der Beiträge markieren dieses Feld mit dankenswerter Präzision.Zum Beispiel der Basisartikel von Kaspar H. Spinner, der im Rekurs auf die einschlägigen Begrifflichkeiten von Assmann /Erll, auf die narratologische Erinnerungskulturforschung (Nünning) und den facettenreichen Begriff der Identität überaus produktive Überlegungen zu einem möglichen Zusammenspiel von literarischem Lernen und zeitgeschichtlicher Bewusstseinsbildung anstellt. In ihrem Beitrag über „Die Erinnerung an die DDR aus emotionshistorischer Sicht demonstriert auch Juliane Brauer das analytische Potenzial der Assmannschen Kategorien. Viele der Beiträge beleuchten ihre Gegenstände vor dem Hintergrund des im Falle der Erinnerung an die DDR so eklatanten Auseinanderklaffens von kommunikativem und kulturellem Gedächtnis. Besonders überzeugend geschieht dies in Ute Dettmars Darstellung zu Kindheitsbildern in der Wendeliteratur, in Maria Beckers Analyse des Romans Habe ich dir eigentlich schon erzählt von Sibylle Berg (2006), im Beitrag der Herausgeberin über Bilder der DDR im Comic und demjenigen von Bettina Henzler und SabineMoller über Christian Petzolds Film Barbara (2012).
Leider ist dieses Niveau nicht durchgängig, etliche Verfasser gehen umstandslos von der Inhaltsangabe zur ideologiekritischen Bewertung über oder warten mit didaktisch kaum reflektierten Unterrichtsideen auf.So wird der erinnerungskulturelle Diskurs über die DDR in Teilen des Bandes mehr dokumentiert als kritisch beleuchtet.
Gelungen erscheint es dagegen, dass der Band nicht nur wissenschaftliche Beiträge im engeren Sinn enthält. Dazu kommen informative Interviews von Carolin Führer (mit Nadia Budde und dem Regisseur Clemens Bechtel)und die Beiträge von Carola S. Rudnick und Sabine Mähne, die mit den Gedenkstätten der Diktaturgeschichte und dem BerlinerZentrum LesArt zwei sehr verschiedene außerschulische Lernorte des Erinnerns in den Blick nehmen.
Gina Weinkauff
Roman
Hannes Stein:
Der Komet ,
Kiepenheuer &Witsch 2014
271 Seiten
Was wäre, wenn der Erste Weltkrieg niemals stattgefunden hätte? Auf diesem Gedankenspiel basiert der Roman Der Komet von Hannes Stein, dessen Handlung mit der Fahrt mit einem Fahrstuhl einsetzt. Diese Fahrt, so scheint es, ist auch eine Reise in eine längst vergangen geglaubte Epoche. Der Leser taucht in eine Kaffeehauswelt ein, in der die Lyrik immer noch die Avantgarde der Literatur darstellt. Eine Welt, in der Amerika eine weit entfernte, kulturell unterentwickelte Mittelmacht ist, die in Europa kaum wahrgenommen wird. Eine Welt, in der Wien die kulturelle Hauptstadt der Welt ist und Berlin das Zentrum der Technologie eine Welt, in der der Erste Weltkrieg nie stattgefunden hat.
Als diese Welt durch die Ankündigung eines Kometen bedroht scheint, entspinnen sich im Angesicht der Katastrophe in verschiedenen Figurenkonstellationen erotisch, philosophisch,
religiös und politisch-moralisch
motivierte Handlungen, die letztlich infrage stellen, dass es sich bei der detailliert gezeichneten Welt wirklich um eine Utopie handelt, wie es zunächst den Anschein hat.
Steins Roman spielt mit den Geschichtskenntnissen des Lesers, stellt Bezüge her zu scheinbar zwangsläufigen Kausalketten, die bei nur kleinen Veränderungen völlig anders verlaufen wären. So verhandelt der Roman die Frage nach der Rolle des Zufalls in der Geschichte und...

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