4. – 6. Schuljahr

Eileen Hage

„Leibeigen geboren, leibeigen gestorben, leibeigen ein Leben lang?

Stimmts? Und was heißt überhaupt leibeigen?

An der Seite des kleinen Ritter Trenk entführt Kirsten Boie ihre Leser in die Welt der Ritter, Burgen und natürlich Drachen und spielt mit den Vorstellungen und Kenntnissen, die zum Mittelalter existieren. Doch einige der agierenden Figuren widersetzen sich hartnäckig den entsprechenden Rollenerwartungen.

Die mittlerweile sechsbändige Buchreihe um den kleinen Ritter Trenk, Hauptfigur der Romane, zeigt, dass Kirsten Boie ihr überwiegend junges Lesepublikum nicht nur unterhalten möchte, sondern zugleich didaktische Ansprüche an ihre Bücher hat. Sie verknüpft dabei geschickt authentische Aspekte mit fiktionalen Elementen und macht ihre jungen Leser mit der Welt des Mittelalters sowie zentralen historischen Termini vertraut. Dabei bieten sich zahlreiche Anknüpfungspunkte für historisches Lernen, wobei die Stärke in der Herangehensweise über den Roman als Medium liegt. Die Motivation, sich mit der Vergangenheit zu beschäftigen, basiert auf dem Interesse am literarischen Gegenstand. Die Lernenden können sich mit den etwa gleichaltrigen Handlungsträgern stärker indentifizieren als mit berühmten realen Personen aus der Zeit des Mittelalters. Der Unterricht kann an verschiedenen Stellen und mit unterschiedlichen Fragestellungen ansetzen, wobei inhaltlich dem Alter entsprechend vereinfachend und nicht zu umfangreich gearbeitet werden sollte.
Inhalt und Medienverbund
In Der kleine Ritter Trenk, dem Herzstück der Romanreihe, ist die Hauptfigur, der kleine Trenk vom Tausendschlag, zunächst undenkbar weit davon entfernt, jemals ein Ritter zu werden. Er lebt als Leibeigener des gemeinen Ritters Wertolt dem Wüterich mit seiner Familie und einem Schwein namens Ferkelchen in einer Bauernkate. Nachdem sein Vater wieder einmal auf der Burg des Grundherrn bestraft werden soll, weil er die geforderten Abgaben nicht erbringen kann, beschließt Trenk, mit Ferkelchen in die Stadt zu ziehen, um seine Familie aus der Leibeigenschaft zu befreien, denn Stadtluft macht frei. Auf seiner Reise freundet er sich mit einem Gauklertrupp an und lernt den Ritter Dietz vom Durgelstein kennen. Da dessen Sohn Zink unter keinen Umständen ein Ritter werden möchte, tauscht Trenk mit jenem den Platz und geht anstelle seiner als Page in die Ritterausbildung zu dessen Onkel Hans vom Hohenlob. Dort erlebt er mit seinem Schwein Ferkelchen, Thekla vom Hohenlob, der Tochter des Burgherrn, und seinen Gaukler-Freunden spannende Abenteuer und kann schließlich sogar seine Familie aus der Leibeigenschaft befreien.
(Kasten: Kleine Leseprobe)
Stadtluft macht frei, was soll denn das nun wieder heißen?

Stadtluft macht frei, was soll denn das nun wieder heißen?
Du weißt ja, dass die Bauern in [sic!] Mittelalter fast immer einem adligen Herrn oder Ritter gehörten, der über sie bestimmen konnte. Wenn so ein Leibeigener nun die Nase voll davon hatte, dass er immerzu seinem Ritter gehorchen musste und für den arbeiten ohne Bezahlung wie das bei Trenks Vater war, zum Beispiel , dann gab es eine gute Möglichkeit, wie der doch frei werden konnte: Er musste sich nur in einer Stadt von seinem Herrn und Besitzer verstecken ein Jahr und einen Tag lang. Und wenn der Ritter es nicht schaffte, seinen geflohenen Leibeigenen in einem Jahr aufzustöbern und das versuchten die Ritter natürlich, kannst du dir vorstellen! , dann gehörte ihm der Leibeigene nicht mehr, da hatte er Pech gehabt. Wenn der Ritter ihn dann vielleicht später doch noch fand und ganz wütend „Ha! und „Ho! brüllte und dass der Leibeigene nun aber gefälligst mit ihm zurückkehren und wieder für ihn arbeiten sollte, dann konnte der ihm einfach einen Vogel zeigen. (Das hat man zu der Zeit aber noch nicht gemacht.) []
Auszug aus: Boie, Kirsten: Der kleine Ritter Trenk und fast das ganze Leben im Mittelalter.
Ein Ritterabenteuer mit ziemlich viel Sachwissen....

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