5. – 13. Schuljahr

25 Jahre Handlungs- und Produktionsorientierung

Anlass für ein produktionsorientiertes Interview unter zwei PRAXIS DEUTSCH-Herausgebern
Vor 25 Jahren erschien mit Handlungs- und Produktionsorientierer Literaturunterricht einer der folgenreichsten Beiträge nicht nur der PRAXIS DEUTSCH-Geschichte, sondern der Literaturdidaktik überhaupt. Tilman von Brand hat Kaspar H. Spinner, einem der drei Autoren der damaligen Ausgabe, einige Fragen und Aufgaben gestellt.
TvB.: Lieber Herr Spinner, beantworten Sie bitte die folgenden Fragen bzw. lösen Sie die gestellten Aufgaben auf eine Ihnen genehme Weise.
Können Sie sich bitte kurz vorstellen?
K. S.: Als Schweizer in Deutschland gestrandet – nein: angekommen, aufgenommen, glücklich geworden. Stationen: Kassel, Aachen, Augsburg – den Ruf nach Augsburg damals nur zögernd angenommen; im Rückblick: Ich könnte mir keine Stelle vorstellen, die besser zu mir gepasst hätte.
Sie haben in Ihren elf Aspekten mit dem literarischen Gespräch eine methodische Kompetenz untergebracht. Wäre die Fähigkeit, mit Texten handelnd und produktiv umzugehen, kein guter zwölfter Aspekt (gewesen)?
Da handelnd-produktiver Umgang mehreren Aspekten des literarischen Lernens dient, sollte er nicht als eigener Aspekt angeführt werden. Ich würde ihn zu den Methoden zählen. Das literarische Gespräch dagegen ist mehr als eine Methode, es ist eine kulturell tradierte Form des literarischen Lebens.
Kreatives Schreiben oder Produktionsorientiertes Schreiben?
Beides hat seinen Sinn und sie überschneiden sich (z.B. beim imitativen Schreiben). Kreatives Schreiben ist vor allem schreibdidaktisch begründet, produktionsorientiertes Schreiben literaturdidaktisch.
In welchem Zusammenhang stehen Kreativität und Produktivität?
Kreativität kann Produktivität befördern – aber manchmal stört sie sie auch. Einige Situationen:
  • „Mir fällt so viel ein, aber irgendwie bringe ich es nicht aufs Papier, weil mir immer wieder etwas anders einfällt.
  • „Manuel, deine Fantasiegeschichte ist voller Einfälle, aber einen richtigen Zusammenhang hat sie nicht.
  • „Das ist ein guter Einfall, Sonja, aber der lenkt ab vom Problem, das wir lösen wollen.
  • „Das ist voller Einfälle, was du vorschlägst, aber realisierbar ist das alles nicht.
  • „Wenn jeder nur immer wieder mit seinen Ideen kommt, können wir mit unserem Projekt nicht zu einem Ergebnis kommen – diszipliniert euch etwas und arbeitet zusammen.
Literatur – Leben – Liebe – Last – Lesen – Limit – Lernen. Machen Sie was draus.
Literatur ist mehr und weniger als Leben,
Leben ist mehr und (leider oft) weniger als Liebe,
Liebe ist manchmal Last,
Last und Lesen – für manche Kinder ist das Alltag,
Lesen ohne Limit wäre verpasstes Leben,
Limit gibt es nicht beim Lernen.
Hat es sich gelohnt?
Zweifellos – wie langweilig wäre der Literaturunterricht, wenn es hapro nicht gäbe.
Haben Sie je versucht, Ihre Imagination zu Texten in Bildern festzuhalten?
Zwar bin ich ein Kunstliebhaber, aber selbst künstlerisch überhaupt nicht produktiv. Leider.
Ihr Kommentar?
Wo sind die wohl alle mit ihren Gedanken?
Besser?
Zweifellos – aber die Lehrerin sollte schon auch gelegentlich zu allen sprechen (dürfen).
War das der Sinn?
Ordnen kann Sinn erzeugen.Verfassen Sie aus der Perspektive eines jung gebliebenen, sehr erfahrenen und kundigen Deutschdidaktikers einen Brief an die Autoren des Basisartikels „Handlungs- und produktionsorientierter Literaturunterricht aus dem Jahre 1994.
Liebe Kollegen,
nach erneuter Lektüre Ihres Artikels, mit dem ich mich schon für das Staatsexamen abgemüht habe, rätsle ich erneut, wie Sie zu dritt den Beitrag verfasst haben. Da gibt es Sätze, die klingen nach Haas, andere nach Menzel und wieder andere nach Spinner. Wie macht man das eigentlich: einen Beitrag zu dritt schreiben? Ich frage das, weil in der Schreibdidaktik das kooperative Schreiben favorisiert wird; in meiner Klasse funktioniert das aber nicht so recht.
Es wäre nett von Ihnen, wenn Sie mir antworten könnten.
Mit freundlichen Grüßen
B...

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