4. – 5. Schuljahr

James Loparics

„Etwas tun, was noch nie jemand gedacht hat

Im szenischen Spiel literarische Leerstellen füllen

Dieses Spiel aus der Erzählung Der Sommer der kleinen Manto regt die Schülerinnen und Schüler dazu an, im szenischen Spiel vor der Handykamera ähnliche Erfahrungen wie die Protagonistin zu machen und literarische Leerstellen zu füllen.

„Mein Spiel hatte zwei Regeln:
1. Ich sollte jeden Tag etwas tun, das noch nie jemand zuvor gedacht hatte.
2. Bis zum Abend, wenn ich das Tupfenkleid wieder auszog, sollte ich es geschafft haben. (Hollatko 2017, S.14)
Mit diesen Worten weiht die Heldin der Kindererzählung Der Sommer der kleinen Manto die Leser*innen in ihr Spiel ein, nach deren Muster die weiteren Episoden aufgebaut sind.
Manto lebt mit ihrer Familie auf einer kleinen Insel, einem alltäglichen und ihr vertrauten Mikrokosmos. Die Thematik von der Alkoholkrankheit ihres Vaters bricht nur an wenigen Passagen die Idylle der Insel:
„Ich kenne ihn, den nächsten Tag. Ich weiß, wie es ist, wenn man am Tag nach dem Streit aufwacht.Und dass man allein auf der Welt ist. Und dass jeder allein auf der Welt ist, am Tag nach dem Streit. (Hollatko 2017, S.13)
Die äußerst resiliente Manto entwickelt ihr Spiel gleich im nächsten Absatz. Sie merkt, dass sie Einfluss auf ihre Umwelt und ihr Erleben hat. Ihre Spielepisoden wirken auf den ersten Blick alltäglich und banal, wie alterstypische Fantasiespiele. In ihrem ersten Spieldurchgang leiht sie heimlich die geliebte Marienstatue der Oma Zoe aus, die aus ihrer Perspektive weint, da Farbe von der Wange abgebröckelt ist, und nimmt sie zu einem Strandausflug mit. Später am Tag fährt sie mit dem Onkel in ein Kloster, wo ein Mönch die Statue mit Goldfarbe restauriert. Heimlich gibt Manto die Statue in das Zimmer der Großmutter zurück und freut sich, dass sie die Statue wieder herrichten konnte.
Die kindliche Unmittelbarkeit, mit der Manto diese Alltäglichkeit beschreibt und ihre Perspektive machen diese Episoden jedoch zu einer einzigartigen Begebenheit:
„,Ich hab es geschafft: Die Panagia (die Marienstatue, Anm.) weint nicht mehr, sagte ich laut vor mich hin, als ich die Statue auf Oma Zoes Nachtkästchen zurückstellte.
Ich hatte die erste Spielrunde gewonnen und noch dazu mit echtem Gold. (Hollatko 2017, S.26)
Auch wenn die Konflikte der Eltern und Mantos erzwungener Umzug die Rahmenhandlung darstellen, so geht es tatsächlich um Mantos wiedererworbene Selbstwirksamkeit. Sie erkennt, dass sie selbst in der Hand hat, wie sie sich fühlt.
„So spielte ich mein Spiel weiter, ohne Tupfenkleid und ohne Regeln. Von morgens bis abends war ich beschäftigt, die Welt um mich herum gern zu haben. Ich weiß jetzt, dass man das kann. Auch wenn man einen Vater wie Papa hat. Und dass man sich gerade dann sehr darüber freut, das weiß ich auch. (ebd., S.61)
Erlebnisse, wie sie in Mantos Spiel geschehen, kennen wir alle aus unserem Alltag. Von außen sehen diese Begebenheiten banal und alltäglich aus, erst unser inneres Erleben und der Kontext, wie ihn Manto durch ihr Spiel herstellt, füllen die Begebenheiten mit Sinn. Dem soll in der vorliegenden Unterrichtsanregung nachgespürt werden. Erleben wir in unserem Alltag subjektiv Bedeutsames, ist der Griff zum Smartphone nicht weit, um den wichtigen Moment festzuhalten und über soziale Medien zu teilen. Die Bedeutsamkeit erschließt sich zumeist wie in Mantos Episoden nur Eingeweihten. Smartphone-Filme stellen „eine eigenständige Gattung mit einer gerätespezifischen Filmästhetik (Küchmeister 2012, S.158) dar.
Buch und Handlung
Buch und Handlung
Die Preisträgerin des Kinder- und Jungendliteraturpreises der Stadt Wien Lizzy Hollatko erschafft mit ihrem Werk einen paradiesischen Mikrokosmos einer griechischen Mittelmeerinsel. Das neunjährige Mädchen Manto ist aufgrund des Alkoholproblems ihres Vaters und eines darauf beruhenden Konflikts der Eltern gezwungen, ihre Heimatinsel mit ihrer Mutter zu verlassen und nach England zu...

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