5. – 13. Schuljahr

Magazin

Rezensionen und Notizen

Auf der Suche zwei aktuelle Adoleszenzromane mit interessanten Erzählperspektiven vorgestellt von Jochen Heins
Geocaching als Symbol für die innere und äußere Suche
Eine Leseempfehlung wert sind nicht nur zahlreiche Erzählungen aus Röders Kurzgeschichten-Band Melvin, mein Hund und die russischen Gurken (z.B. Indigo, Scherben, Chuck Norris u.a.m.). Auch Marlene Röders neuer Roman Cache bietet Jugendlichen ab 14 Jahren ein intensives Leseerlebnis, da es der Autorin gelingt, typische Themen eines Adoleszenzromans in einer spannenden Story aufzunehmen und in einem überraschenden Paukenschlag enden zu lassen.
Max und Leyla sind schon lange ein Paar und alles scheint perfekt: Layla, die sich wie ein Mauerblümchen fühlte, ist überglücklich, mit Max zusammen zu sein, einem gutaussehenden Schwimmer mit besten Schulnoten und vielen Freunden. Als Layla jedoch auf den geheimnisvollen Red trifft, verliebt sie sich sogleich in dessen verwegenes Fuchslächeln. Red ist ein Geocacher, der in Berlin hintergründige Caches versteckt und spontan, unberechenbar und leidenschaftlich auftritt ganz anders als Max, dessen Leben Layla als „stromlinienförmig bezeichnet. Die Begegnung mit Red führt Layla vor Augen, dass ihr in der Beziehung zu Max etwas Entscheidendes fehlt, und lässt sie erkennen, wie sehr sie sich in Max perfekter Familie als „Migrantentochter mit Durchschnittsnoten fühlt, deren Eltern keine Zeit haben, den Rasen im Vorgarten zu maniküren. Mit Red hingegen fühlt sie sich wahrgenommen, lebendig und interessant. Das latente Gefühl von Max, Layla nicht zu genügen, kann er auch durch Coolness und markige Sprüche nicht überwinden.
Eine Dreiecksgeschichte
Da Marlene Röder die Geschichte abwechselnd aus der Ich-Perspektive von Max und aus einer personalen Erzählsituation mit interner Fokalisierung von Layla erzählt, erhält der Leser Einblicke in die psychologische Verfasstheit beider Figuren und erlebt spannungsvoll die sich entwickelnde Dreiecksgeschichte, nachdem Layla Max betrogen hat. Was Max jedoch noch viel stärker trifft, ist die Art und Weise, wie er davon erfährt. Red legt einen Multicache aus, dem Layla und Max folgen. Jeder dieser Caches deckt für Max weitere Hinweise auf die Affäre von Red und Layla auf und treibt ihn tiefer in die Verzweiflung. Das Ausmaß seiner Verletzung kann Layla nicht erahnen, da es Max nicht gelingt, über seine Gefühle zu sprechen. Parallel zu Layla erkennt der Leser, dass Red zwar für seine Ziele kämpft, gleichzeitig aber auch ein Spieler ist, der prüfen will, was er Layla bedeutet. Die Folgen für die am Spiel Beteiligten hat er nicht im Blick. Mit Laylas Trennung schließlich ist Max Leidensfähigkeit erschöpft und er nimmt sich das Leben. Zurück bleibt Layla, die mit ihren Schuldgefühlen auf einen Schlag im Leben einer jungen Erwachsenen angekommen ist.
Die symbolische Ebene
Durch die Verknüpfung der adoleszenztypischen inneren Suche mit der äußeren Suche der drei Figuren nach den Caches, während der sie weitreichende Erkenntnisse über sich und andere gewinnen, verleiht der Roman dem Geocaching eine für Jugendliche zugängliche symbolische Ebene: Die Caches lassen sich als die Versprechen und die Wünsche lesen, denen mit Leidenschaft nachgejagt wird und die immer auch das eigene Scheitern beinhalten. Eine der Thematik angemessene Tiefe erhält der Roman ferner über den typischen Röder-Sound, welcher in der Kunst besteht, knappe Sätze zu schreiben, die genau das richtige Maß an referenzieller Unterspezifikation aufweisen, um weder zu viel zu sagen noch zu unbestimmt zu bleiben. Zwar kommt diese Technik in ihren Erzählungen noch stärker zum Tragen, doch regt sie den Leser auch bei Cache zu einer Verstehensmitarbeit an, die beim literarischen Verstehen unerlässlich ist und am neuen Röderschen Roman geschult werden kann.
Unaussprechlichen Gefühlen Raum bieten
Durch die knappen und in der Luft hängenden Sätze für das, was sich...

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