10. – 13. Schuljahr

Astrid Müller & Eleonore Schmitt

Ist er zum Helden oder zum Held geworden?

Die Deklination der schwachen Maskulina als Zweifelsfall

Einige schwache Maskulina schwanken in ihrem Deklinationsverhalten zwischen zwei Formen: Eine der Formen behält die Flexionsendung der schwachen Maskulina (zum Helden), die andere kommt ohne Endung aus (zum Held). Womit diese Schwankungen zusammenhängen und welche anderen Sprachwandeltendenzen es bei der Deklination von Maskulina gibt, verrät dieses Unterrichtsmodell .

Wie das Beispiel im Titel zeigt, werden bei einigen schwachen Maskulina Deklinationsendungen abgebaut. Auf der anderen Seite ändern einige schwache Maskulina die Stammform: Der Funke/n schwankt im Nominativ Singular zwischen n-loser (der Funke) und n-haltiger Form (der Funken). Gleiches gilt für Friede/n (vgl. Kasten Punkt 3).
Wie flektieren Maskulina im Deutschen?




Wie flektieren Maskulina im Deutschen?
Die Maskulina im Deutschen teilen sich hinsichtlich ihrer Flexion in starke, schwache und gemischte. Die ungefähr 250 schwachen Maskulina lassen sich daran erkennen, dass alle Kasus bis auf den Nominativ Singular ein n-haltiges Suffix enthalten (des Gelehrten, den Gefährten, des Boten, dem Narren). Starke Maskulina haben hingegen fast keine Kasusendungen: Im Singular tritt nur die Genitivendung -(e)s auf (vgl. des Tisches, des Tages, des Reims). Im Plural findet sich nur im Dativ eine klare Kasusmarkierung (den Tischen, den Tagen ); andere Flexionsformen enthalten mit -e lediglich Pluralendungen, aber keine Kasusmarkierung. Maskulina der gemischten Deklination haben im Genitiv Singular ein -(e)s und im Plural ein -(e)n (des Flecks die Flecken, des Autors die Autoren) (vgl. Eisenberg 2013, S. 152ff.). Sie folgen im Singular der starken, im Plural der schwachen Deklination .
Bei einigen schwachen Maskulina lässt sich im Dativ und Akkusativ Singular eine Tendenz zur Flexionslosigkeit erkennen (wie bei dem Prinz oder dem Bär). Genau genommen ist dies, wie Abb. 1 zeigt, kein Weglassen der Flexion, sondern ein Deklinationsklassenwechsel, der aus dem schwachen Bären einen starken Bär macht.
Warum werden einige schwache Maskulina zu starken?
Schaut man sich die Semantik von schwachen Maskulina im Vergleich zu starken an, so fällt auf, dass schwache Maskulina vor allem auf Menschen verweisen (des Jungen, des Matrosen) oder auch auf Tiere (des Löwen, des Falken). Wir haben es also mit einer Klasse zu tun, bei der Belebtheit eine Rolle spielt. Es gilt: Je handlungsfähiger, relevanter und individueller etwas erscheint, desto belebter ist es. Substantive, die auf unbelebte Dinge wie Konkreta (des Steins) und Abstrakta (des Wunsches) verweisen, werden dagegen stark oder gemischt flektiert. Deshalb können sich der Funke und der Friede nicht in der schwachen Deklination halten und gehen in die gemischte Deklination über.
Die Einengung schwacher Maskulina auf Belebtes lässt sich seit über 500 Jahren beobachten: Hahn (mhd. hane) und Grille waren ursprünglich schwache Maskulina. Zum Neuhochdeutschen hin wurde der hane zu dem Hahn, also zu einem starken Maskulinum, und der grille zu einem Femininum: die Grille. Hahn und Grille verweisen zwar auf Tiere, allerdings lässt sich Belebtheit innerhalb der Tiere staffeln, und zwar nach der Anthropomorphizität, d.h. der Ähnlichkeit zum Menschen: So werden Säugetiere anthropomorpher und somit „belebter wahrgenommen als Vögel und Fische, wohingegen Insekten noch weiter rechts auf der Skala stehen:
Die semantische Motivation der schwachen Maskulina erklärt, warum der Bär stark wird. Warum hingegen der Prinz zwischen starker und schwacher Deklination schwankt, lässt sich so nicht erklären. Schwache Maskulina sind nicht allein semantisch, sondern auch formal motiviert. Den Prototyp der schwachen Maskulina machen dreisilbige Nomen aus, die auf der vorletzten Silbe betont (pänultimabetont) sind, auf Schwa enden und auf Menschen verweisen wie Matrose. Einen...

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