5. – 7. Schuljahr

Katharina Ebnet & Eva C. Huller

Erklärend lernen individuell lernen

Lernvideos im Grammatik- und Rechtschreibunterricht der Unterstufe

Schüler entwickeln als Drehbuchautoren und Regisseure Erklärvideos zu grammatischen und orthographischen Phänomenen.

🔎 Schülerinnen und Schüler der Unterstufe sind i.d.R. mit Smartphones ausgerüstet. Sie nutzen diese auch als Kamera und sind so intuitiv mit den Funktionen vertraut, die man für einfache Erklärvideos benötigt. Zugleich kennen viele Schüler von Jugendlichen erstellte Videotutorials. Diese Erfahrungen können für eine arbeitsteilige Gruppenarbeit zum Erstellen von Erklärvideos zum Genus Verbi herangezogen werden. Das Genus Verbi dient hier als anschauliches Beispiel, das aber leicht durch andere Phänomene der Grammatik oder Orthographie modifiziert werden kann. Die Produktion der Erklärvideos steht am Ende einer längeren Sequenz, in der verschiedene grammatische bzw. orthographische Themen behandelt wurden und in der nun die langfristige Sicherung oder die Vorbereitung umfassender Tests ansteht.
Die Videos visualieren begleitet von knappen Kommentaren – zentrale Aspekte des jeweiligen Phänomens und sind über einen längeren Zeitraum hinweg online auf einer Lernplattform für die ganze Lerngruppe nutzbar: Die Erklärvideos bilden so die Grundlage individuellen Lernens. Als Quelle dienen Hefteinträge, Arbeitsblätter und Lehrbuch.
Intentionen
Fachlich-didaktische
Die Lernenden üben Grundprinzipien der Vermittlung ein: Zeitliche Beschränkung, Konzentration auf das Wesentliche und die Wahl guter Beispiele. Sie achten dabei auf die präzise Anwendung von Fachbegriffen und die exakte Erläuterung abstrakter Sachverhalte. Zudem trainieren sie übersichtliche Formen der Visualisierung, etwa die strukturierte Darstellung von Inhalten, die sinnvolle Verwendung von Hervorhebung und Markierung.
Technisch-mediale
Die Schüler erlernen einfache technische Grundlagen der Filmproduktion, für die sie das Smartphone und dessen Funktionen produktiv nutzen. Zudem reflektieren sie wesentliche Eigenschaften der Qualität von Erklärvideos.
Unterricht
Die Produktion von Erklärvideos setzt die bewährte Methodik des „Lernen durch Lehren in ein digitales Medium um. Dass die Schüler bei der Videoproduktion in die Rolle des Lehrenden schlüpfen, hat für sie fachlichen, didaktischen und kreativen Wert: Fachlich müssen sie das Wesentliche erkennen, es didaktisch konzentrieren und vereinfachen, ohne es zu verfälschen. Die anschauliche Visualisierung geschieht idealerweise kreativ durch schülernahe, lustige oder unterhaltsame Beispiele, die den fachlichen Inhalt besonders einprägsam gestalten.
Was ist ein gutes Erklärvideo?
Es geht in der Unterstufe nicht darum, technisch perfekte Lernvideos zu erstellen. Vielmehr sollen einfache Grundsätze erkannt werden. Diese können entweder vorgegeben oder mit den Schülern erarbeitet werden: Dafür können zwei von den Schülern vorgeschlagene Videos (auf Youtube) qualitativ diskutiert werden, sodass eine Kriterienliste entsteht:
Kriterienliste (Vorschlag)
  • Wird das Thema genannt?
  • Stimmt die Logik im Ablauf?
  • Ist die Sprache klar und langsam genug?
  • Wird das Thema gut erklärt (Genauigkeit)?
  • Passen Bild und Text zusammen?
Diese wird auf ein drittes Beispielvideo angewendet, sodass die Schüler dann auf dieser Reflexionsbasis ihr Video planen können. Die Hinweise zur technischen Umsetzung können ggf. ergänzt werden. Bewährt hat sich folgende Liste:
Beachtet beim Dreh folgende Hinweise:
  • Künstliches Licht (für eine gleichmäßige Beleuchtung)
  • Ruhige Kameraführung
  • Querformat (entgegen der typischen vertikalen Smartphonehaltung)
  • Angemessenes Sprechtempo (lieber gefühlt zu langsam)
  • Deutliche, aber natürliche Sprache
Planungsphase
Das Erklärvideo soll mit geringem Aufwand erstellt werden. Dies spricht für die Aufzeichnung per Videofunktion des Smartphones und gegen die Verwendung von Präsentationsapps. Die Schüler nutzen Papier, um Fachbegriffe zu bestimmen, Erklärungen zu geben und Beispiele zu erläutern, die abgefilmt werden. Für die Unterstufe empfiehlt es sich, die Drehbuchschritte weitgehend vorzugeben, (Material 1).
Bestandteile eines Erklärvideos:
1. Titel: Thema
2. Erklärung aller wichtigen Fachbegriffe
3. Einleuchtendes, gut merkbares Beispiel
4. Sinnvolle Visualisierung/kreative Umsetzung
5. Schluss: Das war das „Thema (von Schüler x, y, z)
Schwerpunkt der Gruppenarbeit sind die Schritte 2 bis 4, wobei die Schritte 2 und 3 auch austauschbar sind. Die Lernenden erstellen hierzu eine Aufstellung der notwendigen Fachbegriffe, stellen den Bezug zu ihrem Beispiel her und setzen dies auf ihren Blättern um. Material 2 beinhaltet eine beispielhafte Vorlage für ein Drehbuch.
Vor der filmischen Umsetzung kontrolliert die Lehrkraft das Skript auf sachliche Richtigkeit. Insbesondere muss auch die Wahl der Beispiele mit den Schülern besprochen werden: Steht ein Phänomen/Thema im Zentrum? Lassen die Beispiele sinnvolle Erklärungen zu? Werfen sie nicht neue Fragen auf? Sind sie kurz, einprägsam und präzise genug?
Die Videoproduktion
Die Gruppe braucht folgende Spezialisten: Kameramann, Drehbuchverantwortlichen, Zeitnehmer, Sprecher. Es ist sinnvoll, wenn für die Aufnahme mehrere Drehorte (z.B. Bibliothek, Gang, Pausenhalle) genutzt werden, sodass akustische Störungen durch die anderen Gruppen vermieden werden. Die Lehrkraft berät in dieser Arbeitsphase die Gruppen, gibt Anregungen und reflektiert mit den Gruppen die bereits gedrehten Sequenzen; ggf. werden diese nochmals gefilmt.
Additiv können die Filme über die Erklärung hinaus durch Bilder oder Spielszenen von Schülern oder Spielzeugfiguren veranschaulicht werden. Eindrucksvoll kann dies beispielsweise bei den Satzarten oder bei der Unterscheidung des Genus Verbi herangezogen werden. Zu beachten ist dann aber, dass bei Spielszenen von allen Schülern datenschutzrechtliche Einverständniserklärungen vorliegen. Das Video kann, auch wenn es zunächst auf einer geschlossenen Lernplattform hochgeladen wird, durch Dritte leicht im Internet veröffentlich werden.
Veröffentlichung und Bewertung
Ideal für Sammlungen von Erklärvideos sind geschützte Lernplattformen, etwa im digitalen Klassenzimmer von Moodle, wo die Videos den Mitschülern ort- und zeitunabhängig zur Verfügung stehen, bei Moodle z.B. über das Smartphone. Vor dem Upload sollte die Lehrkraft die Videos kritisch sichten: Ist die sachliche Richtigkeit gegeben? Ist im Fall von Spielszenen der Datenschutz gewahrt?
Die Videos können wie jede Gruppenarbeit bewertet werden. Empfehlenswerte Kriterien sind die inhaltliche Verständlichkeit, saubere formale wie sprachliche Umsetzung und Kreativität. Zur Motivation kann auch ein Wettbewerb für das beste Video ausgelobt werden, als Jury können z.B. die Schüler einer anderen Klasse fungieren. Einen Feedbackbogen bietet Material 3.
Literatur
Rummler, Klaus; Wolf, Karsten: Lernen mit geteilten Videos: aktuelle Ergebnisse zur Nutzung, Produktion und Publikation von Online-Videos durch Jugendliche. In: Wolfgang Sützl, et al. (Hrsg.): Media, Knowledge and Education: Cultures and Ethics of Sharing / Medien Wissen Bildung: Kulturen und Ethiken des Teilens. Innsbruck 2012, S. 253266. Online unter: https://www.uibk.ac.at/iup/buch_pdfs/9783902811745.pdf [14.04.2017]
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