LehrerfortbildungenLiterarisches Schreiben selbst ausprobieren

Sportlehrer treiben privat oft Sport, aber schreiben Deutschlehrerinnen und -lehrer privat auch literarische Texte? Nicht jede/r ist zum Poeten geboren, aber eigene Schreibversuche können den Deutschunterricht durchaus bereichern. Praxis Deutsch-Herausgeber Ulf Abraham berichtet von einer besonderen Fortbildungsreihe für Deutschlehrkräfte.

Texte schreiben

Auch Lehrkräfte sollten sich an literarischen Texten versuchen.

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Das Projekt "Literarisches Schreiben im Deutschunterricht"

Seit 2011 bin ich als fachdidaktischer Berater am Langzeit-Fortbildungsangebot „Literarisches Schreiben im Deutschunterricht“ beteiligt. Nach unserem Konzept, das auf Produktionsorientierung und Lernen am Vorbild setzt, schreiben jeweils 10–15 Deutschlehrer/innen in gattungsspezifischen Werkstätten unter Anleitung von Expert/innen der Kulturellen Praxis Literatur zwei Jahre literarische Texte, die teilweise auch gesprochen und ‚gespielt‘ bzw. inszeniert werden. Dabei handelt es sich z.B. um lyrische, journalistische dramatische oder erzählende Texte. Nach einem Jahr eigenen Schreibens und der Anschlusskommunikation über Textentwürfe setzen die Lehrer/innen die erlernten Fähigkeiten und Techniken in je einer Projektklasse um und werden dabei von den Werkstattleiter/innen sowie der Fachdidaktik beraten. Aktuell unterstützt mich im Literaturhaus Stuttgart darin Daniela Matz, Gymnasiallehrerein und Dozentin am Studienseminar Karlsruhe (bis 2017 war es Ina Brendel-Perpina, jetzt Kath. Universität Eichstätt, die in der Konzeptionsphase und an thematischen Publikationen großen Anteil hatte und bis heute an der Begleitforschung beteiligt ist).

Meine Erfahrungen aus dem Projekt

Ich habe in diesen Jahren nicht nur ein Praxisfeld hinzugewonnen und mitgestalten können, das es in dieser Form vorher nicht gab, sondern viel gelernt über die Wirksamkeit von Lehrerfortbildung, vor allem aber über die Beschreib- und Lehrbarkeit literarischer Techniken und Verfahren – eine Perspektive, die im Germanistikstudium und in der Deutschlehrerausbildung traditionell zu kurz kommt. Nicht wenige unserer Teilnehmer/innen haben anfangs Skrupel, ihre Textentwürfe öffentlich zu machen und sprechen von „Minderwertigkeitsgefühlen“ angesichts dessen, was professionelle Autor/innen können. Dieselben Lehrer/innen sagen aber gegen Ende der Fortbildung Sätze wie „Ich habe hier unglaublich viel gelernt, vor allem darüber, wie man Texte angucken kann und was da alles drinsteckt.“ In der Bewertung der Projekterfahrung betonen sie unisono die Bedeutung des eigenen Tuns im Vorlauf („ich finde es eine ganz gute Voraussetzung, dass man die Schreibaufgaben vorher hier schon einmal durchlaufen hat, sodass man den Schülern relativ authentisch von diesen Schreibaufgaben erzählen kann …“). In Interviews, die wir geführt haben, sprechen sie von einem enormen Zuwachs an Selbstsicherheit und praktischem Handlungswissen in Bezug auf den Umgang mit Texten, von denen die meisten noch zwei Jahre früher behauptet hätten, man könne sie als „kreative Texte“ sowieso nicht bewerten. Im Arbeitsprozess ist ihnen bewusst geworden, dass es ohne Bewertung auch keine Verbesserung geben könnte. Besser werden wollen sie aber zuerst selber; und dann ihren Schüler/innen diese Erfahrung ebenfalls vermitteln.
Bei Praxis Deutsch hat sich das alles bereits in einem Themaheft zum „Szenischen Schreiben“ (PD 260/2016) niedergeschlagen, wird sich aber auch auf weitere Hefte auswirken. (Im Übrigen haben unsere Werkstattdozen/innen – Timo Brunke, Tilman Rau, José Oliver, Thomas Richhardt, Ulrike Wörner & Yves Noir – ihre literaturpädagogische Vorgehensweise in praxisorientierten Bänden der Kallmeyer-Reihe „Unterricht im Dialog“ ausführlich und mit vielen Aufgabenbeispielen dargestellt.)

Wo kann man teilnehmen?

Da unsere Teilnehmer/innen (inzwischen in der 4. Staffel) aus ganz Baden-Württemberg nach Stuttgart kommen, erreichen wir eine erfreulich große und wachsende Anzahl von Schulen und Schultypen der Sekundarstufen. Darüber hinaus ist seit Herbst 2018 ein solches Angebot, adaptiert von den Literaturhäusern in Göttingen und Rostock unter Mitwirkung der jeweiligen Fachdidaktik vor Ort (Prof. Dr. Christoph Bräuer, Universität Göttingen bzw. Prof. Dr. Tilman von Brand, Universität Rostock), in zwei weiteren Bundesländern verfügbar. Die Robert-Bosch-Stiftung, die uns in Stuttgart sechs Jahre lang ‚auf die Beine geholfen‘ hat, fördert das Literarische Schreiben und seine Etablierung in einer sich verändernden Fach- und Schulkultur nunmehr in Göttingen und Rostock weiter.
Ziel bleibt eine Verstetigung derartiger Lern- und Lehrangebote, die den Blick auf Literatur und literarisches Verstehen grundlegend verändern könnten. Allmählich beginne ich zu glauben, dass ich das noch erlebe.

Ulf Abraham ist Inhaber des Lehrstuhls für Didaktik der deutschen Sprache und Literatur an der Otto-Friedrich-Universität Bamberg und seit 2003 Mitherausgeber von Praxis Deutsch.

Praxis Deutsch-Heft Szenisches Schreiben

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