Zum Selberlesen und VerschenkenBuchtipps zu Weihnachten

Haben Sie schon alle Weihnachtsgeschenke? Möchten Sie gerne eine aktuelles Buch verschenken oder selbst lesen? Entdecken Sie hier die aktuellen Empfehlungen der Praxis Deutsch-Herausgeber.

Weihnachten Lesetipps

Bücher sind die schönsten Geschenke.

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Dörte Hansen: Mittagsstunde

Ingwer Feddersen ist ein Wanderer zwischen zwei Welten: Auf der einen Seite ist da das fiktive Geestdorf Brinkebüll, in dem er bei den Großeltern aufgewachsen ist. Hier entdeckt er durch Lehrer Steensen seine Liebe zur Archäologie, die sein Beruf werden wird. Auf der anderen Seite führt er ein Leben an der Universität Kiel und in einer WG, zu der die exaltierte Architektin Ragnhild und der Lebenskünstler Claudius gehören. Ingwer nimmt ein Sabbatjahr, um die inzwischen betagten Großeltern auf ihrem letzten Lebensabschnitt und vielleicht doch noch bis zum 60. Hochzeitstag zu begleiten und lernt das norddeutsche Land, seine leicht skurrilen Menschen und sich selbst neu kennen. Die Geschichten aus Vergangenheit und Gegenwart, die Dörte Hansen leicht melancholisch, sehr spannend und mit einer großen Zuneigung zu ihren Figuren erzählt, zeigen, wie sehr sich die ländliche Welt verändert hat – und wie wichtig die Liebe ist, egal, an welchem Ort dieser Welt. Wer sich den Roman lieber vorlesen lassen möchte, dem sei das Hörbuch mit Hannelore Hoger sehr empfohlen.

Astrid Müller

Dörte Hansen „Mittagsstunde“, Roman. Penguin, München 2018. Hörbuch, gelesen von Hannelore Hoger (Random House)

Carmen-Francesca Banciu: Lebt wohl, Ihr Genossen und Geliebten! Tod eines Patrioten

Ein Roman, der auf einen inneren Monolog reduziert ist: Nach dem Tod des Vaters versucht die Tochter, die Ich-Erzählerin, die sich längst von ihm und der früher gemeinsamen Heimat entfernt hat, diesen Vater zu rekonstruieren, vielleicht gar zu verstehen. Ein Vater-Tochter-Roman, der zugleich ein Ost-West-Roman ist, denn der Vater war kommunistischer Funktionär in Rumänien, die Tochter ist europäische Berlinerin. Der Abschied vom Vater wird begleitet von weiteren Abschieden: von seinen alten Genossen, von einigen seiner vielen Geliebten und von einer Zeit, die vorüber ist, aber noch lange nachwirkt. Der Roman ist durch und durch lyrisch und poetisch: Er ist in Versen erzählt, nicht gereimt, aber mit einer wunderbar melancholischen Rhythmik und suggestiv-melodiösen Sprache geschrieben. Ein Roman, den man (sich) deshalb vorlesen sollte. – Carmen-Francesca Bancius neuer Roman stand zu Recht auf der Longlist für den Deutschen Buchpreis 2018.

Dieter Wrobel

Carmen-Francesca Banciu: Lebt wohl, Ihr Genossen und Geliebten! Tod eines Patrioten. Berlin, PalmArtPress 2018

Manja Präkels: Als ich mit Hitler Schnapskirschen aß

Manja Präkels nimmt uns mit ihrem Roman gleich auf eine doppelte Reise mit, die uns einerseits in die Vorwendezeit und andererseits in eine brandenburgische Kleinstadt führt, wie wir sie so intensiv, aber zeitversetzt, zuletzt in Juli Zehs Unterleuten besuchen durften. Beide Romane handeln von Wandlung: Bei Präkels erfährt man im Kleinen von einer zunehmenden Entfremdung einer Freundschaft, weil die Ich-Erzählerin sich zur linken „Zecke“ entwickelt, ihr Nachbarschaftsfreund zum Anführer mit dem klingenden Spitznamen „Hitler“ der bedrohlich schnell wachsenden rechtsextremen Szene. Im Großen bekommen wir eine Vorstellung davon, wie und warum der Rechtsextremismus (nicht nur) zu dieser Zeit und (nicht nur) an diesem Ort zur Massenbewegung werden konnte. Die autobiografische Prägung verleiht dem Roman dabei eine schauerliche Authentizität.
Der Roman ist in diesem Jahr mit dem deutschen Jugendliteraturpreis, dem Kranichsteiner Jugendliteratur-Stipendium und dem Anna-Seghers-Preis ausgezeichnet worden.

Tilman von Brand

Manja Präkels: Als ich mit Hitler Schnapskirschen aß, Berlin, Verbrecher Verlag 2017

Friedrich Christian Delius: Die Zukunft der Schönheit

Eine „künstlerische Coming-of-Age-Geschichte" hat ein Rezensent F. C. Delius‘ autobiografische Erzählung Die Zukunft der Schönheit genannt. Der gerade einmal dreiundzwanzigjährige Ich-Erzähler besucht 1966 nach der Tagung der Gruppe 47 in Princeton ein Konzert des Freejazz-Saxophonisten Albert Ayler. Die von Dissonanzen geprägte Musik erlebt er als verstörend, zugleich als befreiend. Sie löst Reflexionen bei ihm aus: über das schwierige Verhältnis zu seinem früh verstorbenen Vater, einem protestantischen Pfarrer, über seine ersten Liebes- und literarischen Gehversuche, die von Restauration und Verdrängung geprägten Verhältnisse in der BRD, den Vietnamkrieg und vieles mehr. Die Erzählung ist ein zeitgeschichtliches Dokument ersten Ranges, dazu in einer klaren Sprache verfasst, die die gesellschaftlichen Dissonanzen zum Klingen bringt. Sie erzählt vom ästhetischen Aufbrechen erstarrter Strukturen, von „einer Schönheit, die nichts beschönigt“ (S. 91). Delius, der bedeutende Chronist von ’68, übt sich in dieser Kunst, ohne ihre Zukunft schönzureden.

Clemens Kammler

Friedrich Christian Delius: Die Zukunft der Schönheit. Berlin, Rowohlt 2018

 

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